Tschüß, Schulbuch!? – Update

„Die Tage des Schulbuchs sind gezählt.“ habe ich neulich behauptet und gemeint: „Wann die deutschen Lehrbuchverlage aufwachen, bleibt abzuwarten.“

Nun haben die Schulbuchverlage ja alle überrascht mit der Ankündigung, auf der didacta die neuen digitalen Schulbücher vorstellen zu wollen, die ab Start des kommenden Schuljahrs verfügbar sein sollen. [1,2]

Tatsächlich handelt es sich aber eher um eine Absichtserklärung… Ich habe die digitalen Schulbücher gestern auf der Didacta live erlebt – da hat man noch viel Arbeit vor sich, wenn das bis zum Herbst fertig sein soll. So taugt es fast nichts.

Zu sehen war ein auf iMacs unter Windows präsentierter Flash-basierter PDF-Viewer. Na, herzlichen Glückwunsch.
Man kann nicht sinnvoll markieren, weil der Stift den Text im PDF nicht erkennt. Unterstreichungen sind krickelig oder man muss mühsam eine Linie einzeichnen. Man kann nicht einmal im Inhaltsverzeichnis auf den Kapitelnamen klicken um auf die entsprechende Seite zu kommen. Suchfunktion? Fehlanzeige. Haptisches Blättern? Videos? Sowas gibt’s nur in iBooks 2 auf dem iPad.

Ich möchte nicht wissen, wie die Akkulaufzeit sinkt, wenn man die ganze Zeit den Flashplayer laufen hat, nur weil man sein Schulbuch braucht… Immerhin wird es für das iPad wohl eine Alternativimplementierung geben müssen, denn mit Flash wird man da ja nichts.

Ich höre jetzt lieber auf mit dem Meckern… Wir können jedenfalls hoffen, dass bis zum Start der Laptopklassen im Gymnasium in gut zwei Jahren eine „richtige“ Lösung gefunden ist. Immerhin bringt das System eine Gewichtsreduktion, wenn man das Buch nicht mehr neben den Laptop in den Schulranzen stecken muss. Und es werden endlich einmal alle Plattformen von Anfang an bedacht – Windows, Mac OS, iOS und Android werden zumindest explizit genannt.

[1] die Ankündigung
[2] ein Interview mit Christoph Bornhorn, Geschäftsführer der VdS Service GmbH

Tschüß, Schulbuch!

Die Tage des Schulbuchs sind gezählt. Die Zahl mag noch relativ groß sein, aber mit der Ankündigung der speziell für das iPad optimierten Schulbücher und der schicken Software zum Erstellen dieser interaktiven Lehrwerke heute ist klar, dass die Möglichkeiten, die die digitalen Geräte bieten, jetzt auch genutzt werden. Endlich sind die „Lernprogramme“ Schnee von gestern. [1, 2]

Wann die deutschen Lehrbuchverlage aufwachen, bleibt abzuwarten. Klett hat jedenfalls gerade ein analoges Arbeitsheft herausgebracht, das einem soziale Netzwerke nahebringen soll. Vom Ansatz her schon absurd, waren die Autoren nicht einmal zu einer anständigen Webrecherche fähig und behaupten daher, Tim Berners-Lee, der Erfinder des WWW, habe gleich das ganze Internet erfunden und das erst 1991. [3]

Spannende Zeiten…

[1] die Ankündigung als Videostream

[2] eine lesenswerte Zusammenfassung und Einschätzung von Felix Schaumburg

[3] Beat Döbeli stellt Klett an den Pranger